Ratgeber

Stereofotografie: 3D-Fotos selbst aufnehmen, korrigieren und ansehen

Aktualisiert am

So ist dieser Text entstanden: Owl3D hat ihn auf Grundlage öffentlich zugänglicher Quellen geschrieben, die Quellenliste (15) steht am Ende.

Kurz gesagt

Ein Stereofoto besteht aus zwei Fotos derselben Szene, aufgenommen von zwei Punkten, die ein Stück auseinanderliegen: eins für das linke, eins für das rechte Auge [4]. Sieht jedes Auge nur sein Bild, entsteht im Kopf ein räumliches Bild [3][4]. Dafür reicht eine normale Kamera oder ein Handy: Bei unbewegten Motiven fotografierst du zweimal und verschiebst die Kamera dazwischen seitlich, als Faustformel um etwa 1/30 des Abstands zum Motiv [1][4]. Eine Stereokamera nimmt beide Bilder gleichzeitig auf, ebenso einige iPhones im Modus „Räumlich“ [8][9]. Dieser Ratgeber stammt von Owl3D, dem Hersteller des Owl3D Shift.

Zwei fast gleiche Fotos eines steinernen Löwen an einer Kirchenmauer nebeneinander.

Ein Stereofoto: der linke Löwe am Löwenportal des Kaiserdoms Königslutter, angelegt für den Kreuzblick. Foto: PtrQs, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons.

Das Wichtigste in Kürze

  • Jede Kamera und jedes Handy taugt für Stereofotos, solange sich im Motiv nichts bewegt: mit einer Kamera, zwei Aufnahmen.
  • Wie weit verschieben? Etwa 1/30 des Motivabstands, also 10 cm bei 3 m [1]: die Schritte.
  • Die Teilbilder verschmelzen nicht, oder Vorder- und Hintergrund wirken vertauscht? Ursachen und Abhilfen: wenn es falsch aussieht.
  • Ansehen kannst du Stereofotos per Kreuzblick, mit Rot-Cyan-Brille, VR-Brille oder auf einem 3D-Bildschirm: ansehen.

Was ist Stereofotografie?

Deine Augen liegen etwa 65 mm auseinander und sehen die Welt deshalb aus leicht verschiedenen Blickwinkeln [4]. Ein Stereofoto ahmt das nach: ein Teilbild für das linke Auge, eins für das rechte, zusammen ein Stereobildpaar. Den Abstand zwischen den beiden Aufnahmepunkten nennen Stereofotografen Stereobasis [1][3]. Theorie und Geschichte: Stereoskopie.

Nicht gemeint sind 3D-Produktfotografie und Fotogrammetrie: Dabei werden aus Fotos eines Objekts dessen Lage und Form bestimmt, etwa für ein 3D-Modell [12].

MethodeWas du brauchstBewegte Motive?
Eine Kamera, zwei AufnahmenJede Kamera oder jedes Handy; ein Schiebeschlitten hilft [1][3]Nein, im Motiv darf sich nichts bewegen [3]
iPhone im Modus „Räumlich“Ein Modell aus Apples Liste [9]Ja, beide Bilder entstehen zugleich
Stereokamera mit zwei ObjektivenEine Stereokamera, neu oder gebrauchtJa, beide Objektive lösen gemeinsam aus [11]

Mit einer Kamera: zwei Aufnahmen

Dafür reicht jede Kamera [1]. Am besten eignet sich die Methode für Stillleben auf dem Tisch und Makroaufnahmen [3]. Landschaften sind heikler: Ziehende Wolken und Blätter im Wind bewegen sich zwischen den Aufnahmen und stören später beim Betrachten [3].

  1. Motiv mit Tiefe wählen. Etwas vorne, etwas in der Mitte, etwas hinten. Eine solche Staffelung in Vorder-, Mittel- und Hintergrund verstärkt die Tiefenwirkung [4].
  2. Linkes Bild aufnehmen. Merk dir den Bildausschnitt im Display oder Sucher [1].
  3. Kamera nach rechts verschieben. Als Faustformel um etwa 1/30 des Motivabstands, solange du mit einem üblichen Weitwinkel fotografierst: 10 cm bei 3 m, 20 cm bei 6 m [1]. Halte die Kamera dabei auf gleicher Höhe, sonst entstehen Höhenfehler [1]. Am besten geht das mit einem Schiebeschlitten auf dem Stativ [1]. Ohne Stativ hilft der „Cha-Cha“: Gewicht aufs linke Bein, Ellenbogen an den Körper, erstes Foto; dann bei gleicher Kamerahaltung das Gewicht aufs rechte Bein verlagern, und die Kamera steht ein paar Zentimeter weiter rechts [1].
  4. Rechtes Bild aufnehmen, gleich danach, bevor sich etwas bewegt.
  5. Lieber drei oder vier Bilder, jedes ein Stück weiter rechts. Das beste Paar suchst du später aus [1].
  6. Am Computer ausrichten. Siehe Paar ausrichten.
Schema von oben: Eine Kamera nimmt das linke Bild auf, wird seitlich um etwa ein Dreißigstel des Abstands zum Motiv verschoben und nimmt das rechte Bild auf.
Eigenes Schema von Owl3D, nach der Faustformel aus Rolands Fotokurs [1].

Die Faustformel ist nur ein Anhaltspunkt. Die Deutsche Gesellschaft für Stereoskopie beurteilt die Tiefe am fertigen Bild: Die Deviation, also der Unterschied zwischen dem Versatz des nächstgelegenen und dem des fernsten Punkts, sollte normalerweise 1/30 der Bildbreite nicht überschreiten, und zwar der Breite, die du ohne Kopfdrehen überblickst [2].

Mit dem Handy

Mit jedem Handy klappt die oben beschriebene Methode genauso: zwei Fotos, dazwischen seitlich verschieben. Einige iPhones nehmen im Kameramodus „Räumlich“ beide Bilder auf einmal auf; dazu hältst du das iPhone quer [8]. Apple nennt dafür iPhone 15 Pro, 15 Pro Max, 16, 16 Plus, 16 Pro und 16 Pro Max, iPhone 17, 17 Pro und 17 Pro Max sowie iPhone 18 Pro und 18 Pro Max [9]. Die einzelnen Schritte und was das iPhone sonst noch „3D-Foto“ nennt, stehen in 3D-Fotos mit dem iPhone.

Stand : Apples Modellliste.

Mit einer Stereokamera

Eine Stereokamera hat zwei Objektive und löst beide gleichzeitig aus; so gelingen auch bewegte Motive [4][11]. Weil der Objektivabstand fest ist, wählst du stattdessen den Abstand zum Motiv: Der Autor von Rolands Fotokurs hält mit seiner Fujifilm Real 3D W1, deren Basis knapp 8 cm beträgt, nach Möglichkeit einen Abstand von mindestens etwa 2,40 m [1].

Eine kompakte Fujifilm-Kamera mit zwei Objektiven an den Enden der Frontseite, zwischen ihnen der Aufdruck „75mm“.
Die Fujifilm FinePix Real 3D W3 von 2010: zwei Objektive mit 75 mm „Augenabstand“ [10]. Foto: Priwo, gemeinfrei, über Wikimedia Commons.

Fujifilm stellte die W3 im August 2010 vor [10]; sie speichert ihre 3D-Fotos als MPO-Datei [13]. Eine aktuelle Stereokamera ist die Kandao QooCam EGO; ihre Objektive liegen laut Hersteller 65 mm auseinander [11].

Paar ausrichten

Auch Freihandaufnahmen führen nach dem Ausrichten zu schönen Ergebnissen, wenn du die Kamera möglichst auf gleicher Höhe gehalten hast [1]. Das kostenlose Windows-Programm StereoPhoto Maker [3] richtet die beiden Bilder automatisch aus, setzt das Scheinfenster und speichert das Ergebnis nebeneinander oder als Anaglyphe [5][6]. Zeigt dein Bildbetrachter eine MPO-Datei aus einer Stereokamera nicht oder nur flach an, hilft ebenfalls StereoPhoto Maker: Er öffnet sie direkt und trennt sie verlustfrei in die beiden JPEG-Bilder auf [5]. Eine Pro-Version läuft laut Entwickler auch auf dem Mac; genannt werden dort Versionen bis macOS Monterey [6].

Wenn das Stereofoto falsch aussieht

Was du siehstUrsacheAbhilfe
Die Teilbilder verschmelzen nicht oder nur mühsamHöhenfehler: Ein Bild liegt höher, ist größer oder verdreht [3]; schon wenige Zehntelmillimeter Höhenunterschied erschweren das Verschmelzen [4]Mit StereoPhoto Maker ausrichten [3]; gegen einen echten Höhenversatz aus der Aufnahme hilft laut Rolands Fotokurs aber keine Software wirklich gut [1]
Hinten wirkt vorn, vorn wirkt hintenLinkes und rechtes Bild sind vertauscht [7]; oft wurde ein Paar für den Parallelblick im Kreuzblick betrachtet oder umgekehrt, denn für den Kreuzblick sind die Bilder seitenvertauscht angeordnet [3]Bilder tauschen oder zur anderen Blicktechnik wechseln
Zu viel Tiefe, KopfschmerzenDie beiden Aufnahmen lagen zu weit auseinander [1]Ein Paar mit kleinerer Basis wählen oder neu fotografieren [1]
Kaum TiefeZu wenig verschoben: Eine kleinere Basis verkleinert den räumlichen Eindruck [4]Weiter verschieben
Etwas am Bildrand störtEin Motivteil wird vom Scheinfenster angeschnitten [2]Scheinfenster beim Ausrichten setzen oder anders zuschneiden [1][3]
Eine einzelne Stelle stört, der Rest stimmtEtwas hat sich zwischen den Aufnahmen bewegt [1]Die Stelle mit dem Klonstempel von StereoPhoto Maker angleichen [1], neu aufnehmen oder eine Stereokamera verwenden

Fehler findest du schnell, wenn du abwechselnd ein Auge zukneifst [1].

Was Stereofotografen berichten

Diese Berichte haben wir nicht selbst überprüft. Im Systemkamera-Forum fragte im September 2009 ein Mitglied zu einem Bildpaar: „Kann es sein daß bei dem Parallelblickpaar links und rechts vertauscht sind oder schiele ich nicht richtig?“ Ein zweites Mitglied sah es genauso. Der Fotograf des Bildpaars antwortete: „Euer "Parallelblick" ist in Wahrheit der sogenannte "Kreuzblick" (Schielen!!!). Daher erscheinen die Bilder vertauscht.“ [14] Zu MPO-Dateien schrieb ein weiteres Mitglied dort im Februar 2020: „Die MPO Dateien werden von manchen PC Bildbetrachtern nur zweidimensional dargestellt, da geht der Stereo 3D-Effekt komplett verloren.“ [15] Im selben Thread warnte dieses Mitglied jemanden, der ein gebrauchtes 3D-Objektiv von Lumix bestellt hatte: „Es ist ein reines Stereo 3D Objektiv, nicht mehr und nicht weniger - wenn du etwas anderes erwartest, wirst du enttäuscht sein.“ [15]

Stereofotos ansehen

WomitSpeichern als
Nur die Augen (Kreuzblick oder Parallelblick)Nebeneinander, gekreuzt oder parallel [5]; für den Parallelblick Teilbilder bis etwa 6 cm Breite [3]
Stereobetrachter mit Linsen (Lorgnette)Nebeneinander, parallel; durch die Linsen müssen die Augen nicht auf die Nähe scharfstellen [3]
Rot-Cyan-BrilleAnaglyphe; die rote Seite gehört vor das linke Auge [3]
VR-Brille, 3D-Fernseher, 3D-BeamerNebeneinander (Side-by-Side); für 3D-Fernseher speichert StereoPhoto Maker das Paar auch nebeneinander in halber Breite [5]
Bildschirm für 3D ohne BrilleJe nach Bildschirm, zum Beispiel Side-by-Side oder Top-Bottom

Wie der Kreuzblick gelingt, zeigt der Ratgeber Stereoskopie Schritt für Schritt.

Ein rot-cyanfarbenes Anaglyphenbild der Bahnsteighalle des Dresdner Hauptbahnhofs mit einem Zug.
Mit Rot-Cyan-Brille räumlich: der Dresdner Hauptbahnhof im Dezember 2014 als Anaglyphe. Foto: Nesnad, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons.

Auch ohne Schielen zeigt ein Bildschirm für 3D ohne Brille die Tiefe. Einen solchen Bildschirm stellen wir her: den Owl3D Shift, einen 14-Zoll-Bildschirm, den du als Zweitbildschirm an einen Computer mit der Owl3D-App anschließt. Ist auf dem Shift ein Side-by-Side- oder Top-Bottom-Bild zu sehen, zeigt er es nach einem Klick auf „Start“ im Tab „Stereo 3D Playback“ in 3D, egal, in welchem Bildbetrachter es geöffnet ist. MPO-Dateien und räumliche Fotos vom iPhone zeigt er nicht direkt; speichere sie vorher als Side-by-Side, etwa mit StereoPhoto Maker [5][6]. Das 3D-Bild sieht immer nur eine Person, und die App ist auf Englisch.

Von Owl3DOwl3D ShiftEin Live-3D-Monitor mit 14 Zoll: Alles auf seinem Bildschirm wird zu 3D ohne Brille.

Nur ein normales Foto? Wie Software daraus ein zweites Bild berechnet, steht in 3D-Fotos mit dem iPhone.

Häufige Fragen

Kann ich mit dem Handy Stereofotos machen?

Ja. Mit jedem Handy fotografierst du ein unbewegtes Motiv zweimal und verschiebst das Handy dazwischen seitlich. Einige iPhones nehmen beide Bilder im Modus „Räumlich“ auf einmal auf [8][9]; siehe Mit dem Handy.

Wie weit müssen die beiden Aufnahmen auseinanderliegen?

Als Faustformel etwa 1/30 des Abstands zum Motiv, also 10 cm bei 3 m [1]. Aufnahmen im Augenabstand von etwa 65 mm wirken laut der Deutschen Gesellschaft für Stereoskopie natürlich [3]; bei weiter entfernten Motiven darf die Basis größer sein [1].

Brauche ich eine Brille, um Stereofotos anzusehen?

Nein. Mit Kreuzblick oder Parallelblick siehst du ein Bildpaar nebeneinander ohne Hilfsmittel räumlich [3][7]. Den Parallelblick musst du meist erst üben [3]. Stereobetrachter, Rot-Cyan-Brillen, VR-Brillen und 3D-Bildschirme machen es leichter.

Quellen (15)

  1. Roland Frisch, Rolands Fotokurs, „Stereofotos anfertigen“, 11. Februar 2011. https://rofrisch.wordpress.com/2011/02/11/stereofotos/ (abgerufen am 18.10.2026)
  2. Deutsche Gesellschaft für Stereoskopie, „Goldene Regeln“. https://stereoskopie.org/stereoskopie/goldene-regeln/ (abgerufen am 18.10.2026)
  3. Deutsche Gesellschaft für Stereoskopie, „Technik“. https://stereoskopie.org/stereoskopie/technik/ (abgerufen am 18.10.2026)
  4. Wikipedia, „Stereoskopie“. https://de.wikipedia.org/wiki/Stereoskopie (abgerufen am 18.10.2026)
  5. Masuji Suto, „StereoPhoto Maker“ (deutsche Seite, Version 6.41 vom 11. Juli 2026). https://stereo.jpn.org/ger/stphmkr/ (abgerufen am 18.10.2026)
  6. Masuji Suto, „StereoPhoto Maker“ (englisch). https://stereo.jpn.org/eng/stphmkr/ (abgerufen am 18.10.2026)
  7. Wikipedia, „Stereoskopisches Sehen“. https://de.wikipedia.org/wiki/Stereoskopisches_Sehen (abgerufen am 18.10.2026)
  8. Apple Support, iPhone – Benutzerhandbuch, „Räumliche Fotos und Videos für die Apple Vision Pro mit der iPhone-Kamera aufnehmen“. https://support.apple.com/de-de/guide/iphone/iph6e3a6d4fe/ios (abgerufen am 18.10.2026)
  9. Apple Support, iPhone – Benutzerhandbuch (iOS 27), „Modelle mit Unterstützung für die Erstellung räumlicher Fotos und Videos“. https://support.apple.com/de-de/guide/iphone/aside/ipheee23829a/27/ios/27 (abgerufen am 18.10.2026)
  10. heise online, „Neue 3D-Kompaktkamera von Fuji“, 17. August 2010. https://www.heise.de/news/Neue-3D-Kompaktkamera-von-Fuji-1060196.html (abgerufen am 18.10.2026)
  11. Kandao, „QooCam EGO“ (englisch). https://www.kandaovr.com/qoocam-ego (abgerufen am 18.10.2026)
  12. Wikipedia, „Photogrammetrie“. https://de.wikipedia.org/wiki/Photogrammetrie (abgerufen am 18.10.2026)
  13. fotointern.ch, „Fujifilm bringt die neue Generation der FinePix Real 3D W3“, 17. August 2010. https://www.fotointern.ch/archiv/2010/08/17/fujifilm-bringt-die-neue-generation-der-finepix-real-3d-w3/ (abgerufen am 18.10.2026)
  14. Systemkamera-Forum, Thread „Der Brunnenteufel“, Beiträge vom 13. September 2009. https://www.systemkamera-forum.de/topic/52107-der-brunnenteufel/ (abgerufen am 18.10.2026)
  15. Systemkamera-Forum, Thread „Lumix H-FTO 012E " 3D" - bisher nichts zu lesen hier...“, Beiträge vom 10. und 12. Februar 2020. https://www.systemkamera-forum.de/topic/128257-lumix-h-fto-012e-3d-bisher-nichts-zu-lesen-hier/ (abgerufen am 18.10.2026)

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